Persönlichkeitsbildung Clickertraining

Passend zu meinem letzten Artikel, habe ich heute bei Sophie einen klasse geschriebenen Beitrag über die Schuldfrage im Umgang mit dem Pferd gelesen!

Beim 1. Teilschritt der Verhaltenskette Apportieren (und Aufräumen) bin ich ja lange hängen geblieben – und alle, die diesem Blog schon länger folgen wissen, dass es bei uns immer wieder lange Lernplateaus gibt, die ich mir oft nicht erklären kann. Bereits beim Clickerkurs von Babette und Tanja habe ich mich oft ertappt gefühlt, und auch wenn Heike etwas postet (Clickerforum auf Facebook) habe ich oft das Gefühl, mich habe jemand heimlich, still und leise beobachtet. Denn: Ich bin so typisch Mensch! Anstelle von kritischer Selbstreflexion ist es oft so viel einfacher zu sagen: Das Pony ist schuld! Das hat einfach keine Lust, keinen Bock, ist überhaupt vollkommen doof heute und ganz bestimmt auch noch rossig.

Sicher, ein Pony ist keine Maschine und auch Rán hat nicht jeden Tag Lust auf clickern. Gerade jetzt, wo sie den Husten immer mehr besiegt und in mini Schritten fitter wird, will sie lieber laufen und der Welt stolz präsentieren, wie schön sie wieder galoppieren kann. Jetzt kommt da dieser doofe Mensch und lässt sie nicht.

 

Aber Sophie sagt es klipp und klar: Das Pferd kennt die Schuldfrage nicht. Wenn also etwas nicht klappt, ist es wesentlich produktiver und einfacher (auch wenn man es nicht glauben mag) von vornherein zu sagen: Ich bin schuld! Warum? Weil ich dann keine Zeit damit verplempere nach dem Schuldigen zu suchen. Stattdessen kann ich mich gleich daran machen, mich selbst zu hinterfragen: Stehe ich richtig? Blockiere ich mein Pony unbewusst mit meiner Körpersprache? Oder, um es mit Caro zu sagen: Denke ich an alles Mögliche, aber nicht an den Moment, der gerade ist?

Das Rätsels Lösung für zufriedenere Einheiten mit unseren Lieblingsponys ist also tatsächlich sich zu sagen: Ich bin schuld und jetzt ändere ich was an unserem Problem!

„Ist das nicht frustrierend immer Schuld zu haben? Das könnte man meinen. Aber erstaunlicherweise ist es das überhaupt nicht. Weil man ganz schnell merkt, dass man Probleme schneller lösen kann, sich weniger ärgert und insgesamt ein positiveres Miteinander mit seinem Pferd genießen kann.“ (Sophie – Link s.o.) Das, liebe Sophie, ist so wahr! Danke dir für diesen tollen Artikel!!

 

So – was aber folgt nun aus der geklärten Schuldfrage? Etwas großartiges! Etwas, dass andere Menschen mühevoll und oft nicht unterhaltsam auf (inner-)betrieblichen Weiterbildungen,  Teamcoachings, Höhenflügen und Blindgängen lernen sollen und was dann aber nie klappt: Persönlichkeitsbildung.

Ich als Pädagoge habe so viel über intrinsische Motivation gelernt. Nur wer von innen heraus, aus sich selbst, motiviert ist, etwas zu tun/zu verändern, der packt es an und bewegt etwas. Extrinsische Motivation, also von außen kommend, beispielsweise in Form solcher Coachings, kann helfen, diese innere Motivation zu wecken. Aber nur wer selbst motiviert ist, verändert sich auch.

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Wer also im Umgang mit seinem Pferd den Fehler bei sich sucht, lernt, sich selbstkritisch und reflektiert zu hinterfragen, lernt, dass nicht alles, was man selbst macht, sofort perfekt klappt und schön ist. Stattdessen lernt man, sich zu korrigieren, Ratschläge und Hilfe anzunehmen und lernt damit immer mehr sein wahres Selbst kennen.

Clickertraining trainiert in Wahrheit also uns Menschen noch viel mehr, als unsere Pferde. Für die ist das endlich ein Weg der Kommunikation. Für uns eine wahre Offenbarung! Also nehmt dieses Geschenk dankbar an und führt ein bisschen Tagebuch über eure Einheiten – ihr werdet schnell  merken, wie sich Veränderungern einstellen: Und zwar umso mehr Lernfortschritte beim Pferd, desto mehr Selbstreflexion ihr bei euch selbst zulasst!

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4 Kommentare zu “Persönlichkeitsbildung Clickertraining

  1. Liebe Ann-Christin,

    wow, vielen Dank für die Blumen. 🙂 Es freut mich, dass Dir mein Text so gut gefallen hat. Und ich freue mich über Deine neuen (pädagogischen) Blickwinkel auf das Thema. Und nebenbei habe ich auch gleich noch Deinen Blog entdeckt!

    Vielen Dank und liebe Grüße,
    Sophie

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