Quer durch das Sortiment – Teil 2

Auf Grund einer Diskussion bezüglich: Was dem Pferd füttern, wenn es xyz nicht mag? ist die Idee für diesen Post entstanden.

Rán kriegt von mir meistens Karotten beim Clickern, Jackpot ist ein Apfel oder eine Birne. Viel kreativer war ich noch nicht. Da wir ja aber auch das leidige Grasproblem haben (Rán findet Gras attraktiver als mich und meine Leckerlis), musste ich mir wohl zwangsläufig ein paar Gedanken zum Thema Belohnungsfutter machen. Für meine Wellensittichbande daheim habe ich eine Liste ausgedruckt mit all den Knabbereien, die die Spatzis haben dürfen – da steht genau drauf, was man wie oft füttern sollte und dass beispielsweise Minze zwar nett ist, aber wirklich nur sehr selten gegeben werden sollte.

Jetzt habe ich mir gedacht: Warum nicht auch beim Ponyhütchen mal ein bisschen kreativ sein? Leider habe ich so eine tolle Liste für wählerische Clickerponys nicht gefunden…also bin ich in den Supermarkt meines Vertrauens gestapft und habe mich einmal quer durch die Obst- und Gemüseabteilung gekauft. All die Sachen dann zur Ráni geschleppt und probekosten lassen. Das Ergebnis dieses einmaligen Geschmackstest, kombiniert mit Hintergrundwissen (sozusagen den Do’s and Don’ts des Leckerlifütterns) sehr ihr nun hier:

Bevor es aber wirklich losgeht, ein paar Anmerkungen: Bei diesem Experiment ist niemand zu Schaden gekommen. Rán wurde nicht gezwungen, die Sachen zu fressen. Ich habe keine billig Sachen gekauft, die voller schlimmer Dinge sind, sondern auf hochwertige und giftfreie Qualität geachtet. Ich bin mir bewusst, dass ein Pferd anders frisst, als ein Mensch und möchte das Pony auch nicht vermenschlichen. In einer normalen Clickereinheit bekommt Rán ca. 3 normalgroße Karotten – die Menge wird vom Abendeimer abgezogen! Ich bitte darum, nur sachliche Kommentare zu posten und keinen Shitstorm anzufangen, weil ich mich an das gefährliche Thema FUTTER wage… 😉

 

Teil 1 ist ja nun schon eine ganze Weile her, aber keine Angst, ich habe die Serie nicht vergessen. Leider gibt es keine weiteren Videos: Als ich das Probefüttern durchgeführt habe, habe ich zwar alleine gefilmt, aber aus unerfindlichen Gründen befindet sich kein Video auf der Kamera. Da der Geschmackstest nicht sooo positiv ausgefallen ist (SPOILER!! 😀 ), will ich es auch nicht nochmal wiederholen. Ihr müsst euch also mit Bildern und Text begnügen!

Teil 1 dreht sich rund um die Klassiker: Banane, Karotte, Apfel.

Teil 2 beschäftigt sich mit erweiterten Klassikern, wie der Birne, und den Exoten wie Gurke und Sellerie.

 

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Birne

Ráns Meinung: Schmeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeckt. Beim Verfüttern von Birnen an Rán muss viel Abstand gehalten werden, weil man sonst voller Begeisterung mit Birnensabber eingeschmiert wird.

Vorteil: Gerade jetzt im Herbst regional erhältlich, bei uns wachsen Birnen auf den Obstbaumkoppeln.

Nachteil: Sehr saftig und anfällig. Nicht geeignet für den Clickerbeutel. Außer man nimmt eine noch harte, unreife Birne. Aber dann ist das Geschmackserlebnis ja total geschmälert.

Sind Birnen gut für mein Pferd?

Bei meiner Recherche diesbezüglich bin ich einhellig auf die Meinung gestoßen, dass Birnen verfüttert werden dürfen, jedoch wie fast alles Saftfutter in kleinen Mengen. Besonders muss darauf geachtet werden, weil Birnen
im Magen und Darm gerne nachgären. Deshalb können sie eine Kolik verursachen.

Fazit: Ab und an mal eine Birne, v.a. jetzt im Herbst, schadet nicht. Zur täglichen Arbeit sollten sie jedoch nicht hergenommen werden. Dagegen sprechen nicht nur die Unhandlichkeit, sondern auch die Kolikgefahr. Meine Stimme geht jetzt im Herbst auf jeden Fall an die Birne, einfach weil sie regional erwerblich ist und damit umweltschonend! Bei Rán ist eine halbe Birne auch ein perfekter Jackpot!!

 

Gurke

 

Ráns Meinung: Interessant. Mit Vorsicht zu genießen, mit Tendenz zu langweilig. Nach 3 Stückchen wollte sie keines mehr, sie hat sie einfach von meiner Hand gefegt und mich herausfordernd angeschaut (Wo ist meine Karotte?!)

Vorteil: Gurken bestehen bekanntermaßen hauptsächlich aus Wasser und sind damit auch für Clickerpferde geeignet, die aus verschiedenen Gründen auf zuckerhaltige oder eiweißreiche Belohnungen verzichten müssen. Gurken gibt es ganzjährig (bei uns auch regional, aber dann halt aus dem Gewächshaus) und sie lassen sich schön kleinschneiden. Weiterer Vorteil: Pferd riecht gut aus dem Maul.

Nachteil: Da eine Gurke nicht süß ist, muss das Pferd sie schon echt lieben, um sie als Belohnung anzusehen.

Sind Gurken gut für mein Pferd?

Salatgurken gehören zu der Familie der Nachtschattengewächse und hier scheiden sich dann auch die Geister. Viele sagen, dass eben diese absolut tabu sein sollen für Pferde. Andererseits „verschreiben“ viele Tierärzte Rehepferden u.ä. Gurken als Belohnung, um eben die Eiweißzufuhr zu reduzieren. Der Kohlenhydratwert ist sehr niedrig bei Gurken, auf 100g nur 1,8. Wie immer gilt bei der Gurke auch: Nur in Maßen und am besten geschält, solange es keine selbst gezogene Biogurke ist. Denn auf der Schale befindet sich Wachs, ähnlich wie beim Apfel  und das gehört sicher nicht in den empfindlichen Verdauungstrakt eines Pferdes.

Fazit: Ob das eigene Pferd Gurke annimmt, kann man auf alle Fälle mal testen. Ist dies der Fall, kann ab und an ein Stückchen Gurke nicht schaden, auf große Mengen muss selbstverständlich verzichtet werden. Gerade wenn man eiweiß- und zuckerreduziert Füttern muss oder will, kann die Gurke geeignet sein.

 

Staudensellerie

 

Im Clickerforum wurde Staudensellerie vorgeschlagen, und hochgelobt, weswegen er in meine Testreihe einbezogen wurde. Ich habe nicht schlecht gestaunt und musste auch erstmal ein Bild suchen, denn ich war mir gar nicht sicher, was das eigentlich genau ist.

Ráns Meinung: Ekelhaft! Hat eins probiert, kurz gelutscht, ausgespuckt und danach für mind. 20 Min. kaum etwas aus der Hand gefressen, nichtmal eine Karotte. Das gibts bei uns sicher nicht nochmal!

Vorteil: Lässt sich gut kleinschneiden. Enthält, ähnlich wie die Gurke, sehr wenig Zucker und ist deswegen für Rehepferde geeignet.

Nachteil: In einer Packung ist irre viel Staudensellerie, der mir selbst nicht schmeckt, was also damit tun?!

Ist Staudensellerie gut für mein Pferd?

Ich kann es euch nicht wirklich beantworten. Ich habe so viel recherchiert und so viele „Experten“ dazu befragt, aber so richtig wusste es niemand. Jeder kannte nur jemanden, der Sellerie (auch den für die Suppe) schon seit Jahren problemlos füttert. Bei meinen Gesprächen und Recherchen zum Sellerie bin ich dann auf immer wildere Gemüseexperimente gestoßen…Ich denke, auch hier gilt: Wenn es dem Pferd schmeckt (Rán ist also raus), kann es in kleinen Mengen nicht schaden.

Fazit: Meins ist es nicht. Rán mag es auch gar nicht. War für mich absolut rausgeschmissenes Geld. Schaden wird es wohl nicht, zumindest sind die „Inhaltsstoffe“, bzw. die Zusammensetzung eher unbedenklich. Aber es muss wirklich viele Pferde geben, die dafür morden würden. Also würde ich es halt mal ausprobieren.

 

Rote Beete

Ráns Meinung: Ekelhaft! Probierts nichtmal.

Vorteil: Lässt sich gut kleinschneiden. Enthält Vitamin A, wovon Haut, Schleimhäute und Immunsystem profitieren. Ebenso enthalten sind Spurenelemente, etwa Zink, Eisen oder Phosphor.

Nachteil: Ungekochte Rote Beete ist im Supermarkt kaum erhältlich, ich habe es beim Gemüsetürken ums Eck bestellen müssen! (Und dann hat es das Pony verschmäht, großartig…) Ist in großen Mengen super ungesund! Denn dann schlägt all das Gesunde leider ins Gegenteil um, Rote Beete zieht, ähnlich wie die Karotte, Nitrit und Nitrat aus dem Boden und speichert es in der Knolle. Also Obacht!!

Ist Rote Beete gut für mein Pferd?

Ich habe es schon bei den Vor- und Nachteilen angesprochen: Da auch Rote Beete giftige Stoffe aus dem Boden zieht und speichert, muss hier mit Bedacht gefüttert werden. Mehr als 2kg pro Tag sollte es für ein Großpferd nicht geben (und ich halte selbst diese Menge für zu viel) – für einen Clickerisi also deutlich weniger! Dann kann Rote Beete aber sehr gesund sein.

Fazit: Da es ungekochte Rote Beete sowieso nur im Winter gibt und diese, zumindest hier, schwer erhältlich ist, ist es eh keine Belohnung, die das ganze Jahr funktioniert. Ab und an schadet es im Winter nicht, dabei aber unbedingt auf Herkunft und Menge achten. Bei Rote Beete scheiden sich die Pferdegeschmäcker sehr! Rán hasst es, die anderen Ponys im Stall wollen es unbedingt haben…;)

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Was wir heute gelernt haben: Rán findet doch nicht mehr alles toll. Nur weil sie aber mehr auf  “Klassiker” steht, sollte sie diese nicht in Mengen gefüttert bekommen! Bei allen Belohnungen ist darauf zu achten, wie es um die Gesundheit des Pferdes steht. Was für eine Art von Belohnung angedacht ist, und inwieweit eben diese negative Folgen hervorrufen kann. Wer das genaue Gewicht seines Pferdes weiß, kann so manche Menge gut berechnen. Ansonsten gilt für mich:  Lieber weniger in guter Qualität, als mehr! Sinn des Clickerns ist es ja auch nicht, dass das Pferd verfettet… 😉

Hat jemand schon Exoten getestet? Eine Freundin von mir reitet aktuell in New Orleans und da gibt es an besonders heißen Tagen eine Runde Wassermelone für die Pferde!!

 

Du bist eher auf der Suche nach Alltagsleckerlis? Dann kann ich dir den Artikel von Sabine empfehlen:

Clicker-Leckerli (auch für Rehepferde)

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2 Kommentare zu “Quer durch das Sortiment – Teil 2

  1. Pingback: Clickertraining: Outtake | Ponyliebe

  2. Pingback: Grundlagen des Clickertrainings – Höflichkeit | Ponyliebe

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