Quer durch das Sortiment – Teil 1

Auf Grund einer Diskussion bezüglich: Was dem Pferd füttern, wenn es xyz nicht mag? ist die Idee für diesen Post entstanden.

Rán kriegt von mir meistens Karotten beim Clickern, Jackpot ist ein Apfel oder eine Birne. Viel kreativer war ich noch nicht. Da wir ja aber auch das leidige Grasproblem haben (Rán findet Gras attraktiver als mich und meine Leckerlis), musste ich mir wohl zwangsläufig ein paar Gedanken zum Thema Belohnungsfutter machen. Für meine Wellensittichbande daheim habe ich eine Liste ausgedruckt mit all den Knabbereien, die die Spatzis haben dürfen – da steht genau drauf, was man wie oft füttern sollte und dass beispielsweise Minze zwar nett ist, aber wirklich nur sehr selten gegeben werden sollte.

Jetzt habe ich mir gedacht: Warum nicht auch beim Ponyhütchen mal ein bisschen kreativ sein? Leider habe ich so eine tolle Liste für wählerische Clickerponys nicht gefunden…also bin ich in den Supermarkt meines Vertrauens gestapft und habe mich einmal quer durch die Obst- und Gemüseabteilung gekauft. All die Sachen dann zur Ráni geschleppt und probekosten lassen. Das Ergebnis dieses einmaligen Geschmackstest, kombiniert mit Hintergrundwissen (sozusagen den Do’s and Don’ts des Leckerlifütterns) sehr ihr nun hier:

Bevor es aber wirklich losgeht, ein paar Anmerkungen: Bei diesem Experiment ist niemand zu Schaden gekommen. Rán wurde nicht gezwungen, die Sachen zu fressen. Ich habe keine billig Sachen gekauft, die voller schlimmer Dinge sind, sondern auf hochwertige und giftfreie Qualität geachtet. Ich bin mir bewusst, dass ein Pferd anders frisst, als ein Mensch und möchte das Pony auch nicht vermenschlichen. In einer normalen Clickereinheit bekommt Rán ca. 3 normalgroße Karotten – die Menge wird vom Abendeimer abgezogen! Ich bitte darum, nur sachliche Kommentare zu posten und keinen Shitstorm anzufangen, weil ich mich an das gefährliche Thema FUTTER wage… 😉

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Das Gemetzel nach der Testprobe Nr. 1

Zunächst: Die Klassiker

Am Ende des Beitrages befindet sich ein Video, bei dem die Geschmacksprobe bis auf die Karotte live verfolgt werden kann. Die Karottenfilmung musste auf Grund eines wolkenbruchartigen Hochwasserregens (leicht am Hintergrund und dem nassen Pony zu erkennen) abgebrochen werden. Die Karotte war dann aber natürlich schon im Pony und das Experiment konnte nicht erneut gestellt werden 😀

Banane

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Aus dem Winter, aber tatsächlich nach einer Banane 😉

Ráns Meinung: Schmeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeckt. Ráns absoluter Liebling!

Vorteil: Schmeckt anscheinend universell jedem Pferd, auch dann noch, wenn der Mensch die Banane max. noch verbacken würde

Nachteil: Ich hasse Bananen und dieses Geschlabber. Matscht den Leckerlibeutel voll.

Sind Bananen gut für mein Pferd?

Bei meiner Recherche diesbezüglich bin ich wirklich auf die verschiedensten Angaben gestoßen. Von 1-2 Bananen täglich sind völlig in Ordnung, bis hin zu bitte niemals Bananen füttern, das ist pures Gift. Laut Anette Walentin (THP) sollte nicht mehr als eine Banane im Monat gefüttert werden, da das Pferd sonst den Kaliumgehalt nicht abbauen kann (Quelle: http://www.paracelsus-magazin.de/alle-ausgaben/55-heft-052011/742-das-versteckte-gift.html). Da mein wissenschaftliches Spezialgebiet eher im Bereich der Medienpädagogik liegt, bin ich nicht so informiert, was eine vertrauenswürdige Internetquelle zum Thema „Bananen fürs Pferd“ darstellt. Von all den Seiten, die ich besucht habe, gab es jedoch nur wenige, die wirklich wissenschaftlich fundiert gearbeitet haben. Auf all diesen Seiten war immer die Rede von möglichst wenig Bananen.

Fazit: Ab und an mal eine Banane schadet wohl nicht. Zur täglichen Arbeit sollten sie jedoch nicht hergenommen werden. Dagegen sprechen nicht nur die Unhandlichkeit, sondern auch der hohe Kaliumgehalt

 

Karotte

DSC05255Ráns Meinung: Geht immer!

Vorteil: Schmeckt ebenfalls praktisch jedem Pferd. Lässt sich kleinhobeln und matscht nicht.

Nachteil: Für mich persönlich keiner ersichtlich.

Sind Karotten gut für mein Pferd?

Zunächst: Wer für sich selbst auf hochwertige Nahrungsmittel achtet, sollte auch seinem Pferd nicht das Billigste vom Billigsten füttern und zwar aus den gleichen Gründen: Je billiger produziert, desto mehr Pestizide und andere Giftstoffe. Die haben natürlich auch im Pferdemagen nichts zu suchen. Tipp: Karotten selber anbauen, wenn man nicht gerade einen ganzen Stall versorgen muss 😉 Sonst: Auf Bio-Qualität achten. Grund: Karotten sind so genannte Nitrat-Speicher, die das im Boden vorhandene Nitrat in der Knolle speichern. Bei Bio-Karotten gibt es dafür einen Schwellenwert, den es für normale Karotten oder Futterrüben nicht gibt. Nitrat wirkt sich langfristig negativ auf den Pferdekörper aus.

Ansonsten enthalten Karotten sehr viel Zucker, womit sie als Grundleckerli für Rehepferde rausfällt. Ebenso sollten Karotten nicht an Pferde verfüttert werden (in Mengen, nicht in Maßen), die Probleme mit Kotwasser haben oder anfällig sind für Durchfall und Koliken.

Fazit: Für mich immer noch das beste Futtermittel zum Clickern, weil es leicht handelbar ist und Rán gut schmeckt. Dabei achte ich jedoch auf gute Qualität und ziehe die Menge der verfütterten Möhren immer vom Abendeimer ab. Rán ist aber auch nicht anfällig für die oben genannten Krankheiten!

 

Apfel

Ráns Meinung: Gaaaaaaaaaaaaaanz toll. Aber nicht zu viele! Dann wirds fad.

Vorteil: Gibts das ganze Jahr. Bei uns ab Herbst auch direkt am Stall, weil Eigenproduktion.

Nachteil: Kann man nicht so gut kleinschneiden und zum Clickern hernehmen, weil wird schnell matschig, eklig, und zu klein hab ich Angst, dass Rán sich eine Schlundverstopfung einholt, weil sie einen Apfel praktisch staubsaugt, nicht normal frisst…

Sind Äpfel gut für mein Pferd?

Es spricht – nach meinen Recherchen – nicht allzu viel gegen Äpfel. Freilich sind hier auch ungespritzte Äpfel zu bveorzugen! Ansonsten gilt: Zu viel Apfel kann dauerhaft zu einer Übersäuerung des Magens führen. Die empfohlene Menge liegt bei 1-2 Äpfeln pro Tag für ein 600kg schweres Pferd. Dabei ist schätzungsweise nicht die Rede von Riesenäpfeln…

Fazit: Äpfel benutze ich wenn eher als Joker-Leckerli, kleinschneiden tue ich sie eigentlich gar nicht und an sich habe ich auch nicht immer welche dabei. Ab Herbst gibt es bei uns am Stall so viele Äpfel, dass die Ponys sich schnell daran satt gefressen haben. Äpfel ziehen bei uns eher im Sommer.

 

 

 

Was wir heute gelernt haben: Rán findet alles toll. Nur deshalb sollte sie aber nicht alle „Klassiker“ in Mengen gefüttert bekommen! Bei allen Belohnungen ist darauf zu achten, wie es um die Gesundheit des Pferdes steht. Was für eine Art von Belohnung angedacht ist, und inwieweit eben diese negative Folgen hervorrufen kann. Wer das genaue Gewicht seines Pferdes weiß, kann so manche Menge gut berechnen. Ansonsten gilt für mich:  Lieber weniger in guter Qualität, als mehr! Sinn des Clickerns ist es ja auch nicht, dass das Pferd verfettet… 😉

Nächste Woche geht es weiter mit Teil 2: Getestet werden Sellerie, Gurke, … Jemand noch Ideen?

UPDATE:

Wenn du allgemein eine Übersicht zum Thema „Fütterung“ haben möchtest, kann ich dir den folgenden Artikel sehr ans Herz legen:

Fair Riding – Corp: Fütterung

Warum du beim Clickern eher nicht mit getrocknetem Brot arbeiten solltest, wird hier gut erklärt:

Warum BROT nicht ins Pferd gehört (Two Toned)

 

 

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9 Kommentare zu “Quer durch das Sortiment – Teil 1

  1. Ich weiß, dass meine Mutter ihrem Hafi früher ab und zu rote Beete gegben hat, nur irgendwann mochte er die nicht mehr, aber könntest du ja auch mal probieren 😀
    Und den Kommentar zu dem Apfel von wegen Schlundverstopfung find ich super, ich hab da leider sehr schlechte Erfahrungen gemacht, betroffenes Pony kriegt heute gar keine Leckerlis mehr (aber dafür andere leckere Sachen) 🙂

    • Rote Beete kann ich in den Teil 2 gerne mit aufnehmen, allerdings kaufe ich die nicht nochmal extra. Da bin ich nämlich im Winter wie eine Irre durch die Gegend gerast, um ungekochte Rote Beete zu finden, habe sie dann wunderschön dem Pony zurecht geschnibbelt etc, nur um dann wieder so einen Blick a la: Hast du n Knall?! Wo sind meine Möhren?!!!! zu bekommen 😀 Also: Rán und Rote Beete – das wird nix.
      Mir war es wirklich wichtig, das von allen Seiten zu beleuchten. Ich habe mich noch nie wirklich damit auseinandergesetzt, was gefährlich sein könnte und wo Probleme liegen. Grad bei den Möhren hat es mich echt umgehauen!

    • Äh, oh nein Oo. Ich kanns sehen. Ich werde mich direkt später am Tag daran setzen und versuchen herauszufinden, woran es wohl liegt…(jetzt hatte ich mich schon so gefreut, dass ich Youtube an sich verstanden hab…wohl nicht 😛 )

  2. Gerne. Vielleicht magst du dann ja das, was Ráni wieder ausspuckt. Ich hätte das nicht für möglich gehalten, aber sie verschmäht tatsächlich gewisse Dinge 😀

  3. Pingback: Quer durch das Sortiment – Teil 2 | Ponyliebe

  4. Pingback: Clickertraining: Outtake | Ponyliebe

  5. Pingback: Grundlagen des Clickertrainings – Höflichkeit | Ponyliebe

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